Blogging mit Qualität
In der letzten Zeit gehen viele Beiträge durch die Blogsphäre, in denen es um die (journalistische) Qualität geht. Dabei werden von einigen SchreiberInnen die mitunter irrelevanten und sprachlich schlechten Blogeinträge bemängelt. Besonders Johannes Boie von der Süddeutschen Zeitung (Online-Visionäre: Abgebloggt) bezweifelt, dass die deutsche Blog-Szene eine Alternative zu den etablierten Medien werden könne. Der Bürgerherold (Relevante Irrelevanz) kontert dagegen:
In unseren Augen hat es eher damit zu tun, dass es einige der Journalisten nicht verkraften können, dass Menschen - gerade wegen der Blogs - schreiben wie selten zuvor. Haben Journalisten Angst? Wovor?
Wie auch immer! Edgar Schuler, Redakteur am «Tages-Anzeiger», bereichert die Diskussion mit konkreten Tips, was seiner Meinung nach zu einem qualitativ guten Weblog führt.
Acht goldene Regeln
- Blogge täglich, und täglich mehrmals. Nur ein konstanter Strom von neuen Einträgen bringt mich dazu, mich immer wieder neugierig auf einen Blog zu stürzen.
- Blogge kurz. Wenn ich einen Leitartikel lesen will, setzte ich mich mit der Zeitung ins Café. Wenn ich in einem Buch schmökern will, kaufe ich mir eines. Wer auf Bildschirmhöhe nicht sagen kann, was er sagen will, überlegt sich besser einen Plot für die nächsten tausend Seiten Harry Potter.
- Verlinke wenig. Dass man auf das ganze Web verlinken kann, heisst nicht dass man auf das ganze Web verlinken muss. Ein geschickt gewähltes und kopiertes Zitat ist mehr wert als tausend Links.
- Verlinke klug. Nichts ist ärgerlicher als ein lesehemmender Link am falschen Ort. Und noch schlimmer: auf die falsche Site.
- Verwende den RSS-Feed für die Blog-Einträge, und zwar für alle und in voller Länge. Wie hatte ich eigentlich das Web benützt, bevor RSS erfunden wurde? Und warum soll ich nach einem Appetithäppchen vom RSS-Reader auf den Browser wechseln? Weil mir da ein Werbebanner entgegen lacht? Oh je.
- Interaktivität ist überbewertet. Unter hundert Blog-Einträgen, die ich lese, ist vielleicht einer, den ich kommentieren möchte. Und unter tausend Kommentaren ist vielleicht einer, den zu lesen es sich lohnt. (Das heisst nun allerdings nicht, dass man die Kommentarfunktion hinter einer Login-Mauer verstecken soll.)
- Sei faktenarm und meinungsstark. Was interessiert, ist der überraschende Blickwinkel, der intelligente Kommentar, die ungefilterte Meinung. Für die Fakten gibts die «Tagesschau» und den klugen Link.
- «If you can't be funny, be interesting.» Wer beides nicht kann, lässt das Bloggen besser bleiben.
Acht einfache Regeln also. Aber gar nicht so einfach einzuhalten, wie die eigene bittere Erfahrung zeigt ...
Ich werde einmal versuchen, was mir diese Regeln bringen. Vielleicht führen sie wirklich zu einem Weblog, der nicht nur als Plattform zur Darstellung meiner Positionen zu Fragen der Zeit dient, sondern auch die Besucher dieses Blogs fesselt und ihrerseits zu Überlegungen und Stellungnahmen anregt.
Wie auch immer: An dem Streit «pro oder contra Weblog» werde ich mich nur in der Weise beteiligen, daß ich mich bemühe, einen inhaltlich und stilistisch anspruchsvollen Blog zu schreiben!